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Mediencoach - Können unsere Kinder noch gerettet werden?

Geschätze Lesezeit: 6 Minuten
Mediencoach - Können unsere Kinder noch gerettet werden?

Es ist Montagmorgen, 7:30 Uhr. Lena, 14, sitzt am Frühstückstisch – aber nicht wirklich. Ihr Körper ist da, ihre Augen starren ins Smartphone. TikTok. Instagram. Snapchat. Ein endloser Strom aus Reels, Stories, Likes. Ihre Mutter seufzt: „Lena, leg das Handy weg.“ Keine Reaktion. „LENA!“ Genervtes Augenrollen. „Ja, gleich.“ Aber „gleich“ kommt nie.

Kennst Du solche Szenen? Dann bist Du nicht allein. Mediensucht bei Kindern ist längst kein Randphänomen mehr – es ist eine stille Epidemie, die sich in deutschen Kinderzimmern ausbreitet. Die Frage ist nicht mehr, ob wir handeln müssen. Sondern wie. Und vor allem: Wer hilft den Familien dabei?

Was ist Mediensucht bei Kindern? Definition und Abgrenzung

Mediensucht – oder präziser: Internetabhängigkeit bzw. Gaming Disorder (seit 2022 offiziell von der WHO anerkannt) – bezeichnet ein Verhaltensmuster, bei dem Kinder und Jugendliche die Kontrolle über ihren Medienkonsum verlieren. Sie verbringen exzessiv viel Zeit mit digitalen Medien, vernachlässigen andere Lebensbereiche und zeigen Entzugserscheinungen, wenn sie offline sind.

Wichtig: Nicht jedes Kind, das gerne am Smartphone ist, ist süchtig. Die Grenze zwischen normalem Medienkonsum und Suchtverhalten ist fließend. Entscheidend sind drei Kriterien:

  • Kontrollverlust: Das Kind kann die Nutzung nicht mehr selbstständig begrenzen
  • Negative Konsequenzen: Schulleistungen, soziale Kontakte, Schlaf oder Gesundheit leiden
  • Entzugssymptome: Gereiztheit, Unruhe, Aggression, wenn das Gerät weggenommen wird

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut aktuellen Studien verbringen Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren durchschnittlich 7 Stunden täglich mit digitalen Medien – Tendenz steigend. Bei etwa 8-10% der Kinder und Jugendlichen liegt bereits eine problematische oder pathologische Mediennutzung vor.

Mediensucht vs. gesunder Medienkonsum: Wo liegt die Grenze?

Gesunder Medienkonsum bedeutet: Das Kind nutzt digitale Medien bewusst, zeitlich begrenzt und in Balance mit anderen Aktivitäten. Es kann das Gerät weglegen, wenn es notwendig ist, und zeigt keine negativen Auswirkungen auf Schule, Freundschaften oder Wohlbefinden.

Problematisch wird es, wenn:

  • Das Kind heimlich nachts am Smartphone ist
  • Schulleistungen abfallen
  • Hobbys und Freundschaften vernachlässigt werden
  • Aggressive Reaktionen bei Medien-Entzug auftreten
  • Körperliche Symptome wie Schlafmangel, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen auftreten

Warum Mediensucht bei Kindern ein brennendes Thema ist

Die digitale Transformation hat unser Leben revolutioniert – und sie macht vor Kinderzimmern nicht halt. Smartphones, Tablets, Gaming-Konsolen: Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der digitale Medien allgegenwärtig sind. Das Problem: Ihr Gehirn ist noch in der Entwicklung. Die Impulskontrolle, die Fähigkeit zur Selbstregulation – all das reift erst mit etwa 25 Jahren vollständig aus.

Social Media, Games und Apps sind gezielt darauf ausgelegt, uns süchtig zu machen. Dopamin-Kicks durch Likes, Push-Benachrichtigungen, endlose Feeds, Belohnungssysteme in Spielen – die Mechanismen sind dieselben wie bei Glücksspiel. Nur dass unsere Kinder ihnen schutzlos ausgeliefert sind.

Prävention von Mediensucht: Was wirklich hilft

Die beste Therapie ist Prävention. Doch wie können Eltern, Pädagog:innen und Fachkräfte Kinder vor Mediensucht schützen?

1. Altersgerechte Mediennutzung: Empfehlungen und Richtlinien

Experten empfehlen folgende Richtwerte für die tägliche Bildschirmzeit:

  • 0-3 Jahre: Keine Bildschirmmedien
  • 3-6 Jahre: Max. 30 Minuten pro Tag, begleitet
  • 6-10 Jahre: Max. 45-60 Minuten pro Tag
  • 10-13 Jahre: Max. 60-90 Minuten pro Tag
  • Ab 13 Jahren: Gemeinsam vereinbarte Regeln, ca. 90-120 Minuten

Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte, keine starren Grenzen. Entscheidend ist die Qualität der Nutzung und die Balance mit anderen Aktivitäten.

2. Medienfreie Zeiten und Räume etablieren

Schaffe bewusst medienfreie Zonen und Zeiten:

  • Kein Smartphone am Esstisch: Gemeinsame Mahlzeiten sind Familienzeit
  • Kein Handy im Schlafzimmer: Smartphones haben nachts nichts im Kinderzimmer zu suchen
  • Medienfreie Stunden vor dem Schlafengehen: Mindestens 1 Stunde vor dem Zubettgehen sollten Bildschirme ausgeschaltet werden
  • Bildschirmfreie Tage: Ein Tag pro Woche ohne digitale Medien kann Wunder wirken

3. Vorbildfunktion der Eltern

Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn Eltern ständig am Smartphone hängen, können sie von ihren Kindern kein anderes Verhalten erwarten. Reflektiere Dein eigenes Medienverhalten:

  • Bist Du beim Essen am Handy?
  • Checkst Du ständig Nachrichten, auch wenn Du mit Deinem Kind spielst?
  • Nutzt Du das Smartphone als „Babysitter“, um Ruhe zu haben?

Authentisches Vorleben eines gesunden Medienkonsums ist die wirksamste Prävention.

4. Medienkompetenz vermitteln statt verbieten

Verbote allein funktionieren nicht – schon gar nicht in der digitalen Welt. Stattdessen brauchen Kinder Medienkompetenz: Die Fähigkeit, Medien bewusst, kritisch und selbstbestimmt zu nutzen.

Dazu gehört:

  • Kritisches Hinterfragen: Ist das, was ich sehe, echt oder inszeniert?
  • Datenschutz: Welche Informationen gebe ich preis und an wen?
  • Cybermobbing-Prävention: Wie verhalte ich mich respektvoll online? Was tue ich, wenn ich gemobbt werde?
  • Selbstregulation: Wie erkenne ich, dass ich zu viel Zeit am Bildschirm verbringe?

Genau hier setzt unser professionelles Medienkompetenztraining an.

Mediencoaching: Deine Chance, wirklich etwas zu verändern

Du merkst: Das Thema Medienkompetenz ist komplex, vielschichtig – und dringend. Familien brauchen Unterstützung. Schulen brauchen Konzepte. Kinder brauchen Menschen, die ihnen helfen, einen gesunden Umgang mit der digitalen Welt zu lernen.

Genau hier kommst Du ins Spiel: Als zertifizierte/-r Mediencoach.

Was macht ein Mediencoach?

Ein Mediencoach begleitet Kinder, Jugendliche und Familien professionell beim Aufbau von Medienkompetenz. Er/Sie arbeitet präventiv und intervenierend:

Präventive Arbeit:

  • Workshops an Schulen und in Jugendzentren
  • Elternabende und Beratungsgespräche
  • Medienkompetenztrainings für Kinder und Jugendliche
  • Vorträge und Seminare im BGF-Bereich (Betriebliche Gesundheitsförderung)

Intervenierende Arbeit:

  • Einzelcoaching bei problematischem Medienkonsum
  • Familienberatung bei Konflikten rund um Mediennutzung
  • Begleitung bei Cybermobbing-Fällen
  • Vermittlung zwischen Eltern und Kindern

Das on(e)life-Programm: Dein Werkzeug für echte Veränderung

Im Zentrum der Mediencoach-Ausbildung steht das 8-Wochen-Programm on(e)life – ein strukturiertes, praxiserprobtes Medienkompetenztraining für Kinder & Jugendliche ab 12 Jahren.

Das Programm vermittelt:

  • Selbstreflexion: Wie nutze ich Medien wirklich?
  • Gesundheitswissen: Welche Auswirkungen hat mein Medienkonsum?
  • Selbstregulation: Wie kann ich meine Nutzung bewusst steuern?
  • Alternativen: Was macht mir Spaß – offline?
  • Soziale Kompetenzen: Wie kommuniziere ich respektvoll online?

Nach der Ausbildung kannst Du dieses Programm eigenständig durchführen – an Schulen, in Jugendzentren oder in Deiner eigenen Praxis.

Für wen ist die Ausbildung zum Mediencoach geeignet?

Die Ausbildung richtet sich an:

  • Trainer:innen und Coaches, die ihr Portfolio erweitern möchten
  • Pädagog:innen, Lehrer:innen, Erzieher:innen, die Medienkompetenz vermitteln wollen
  • Sozialarbeiter:innen und Fachkräfte in Jugendzentren
  • Therapeut:innen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten
  • Fachkräfte in der betrieblichen Gesundheitsförderung, die Elterncoaching anbieten möchten
  • Alle, die Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter professionell unterstützen möchten

Praktische Vorerfahrung im pädagogischen, sozialen oder gesundheitlichen Bereich wird empfohlen, ist aber keine zwingende Voraussetzung.

Autor:in Details

Verhaltens- und Organisationspsychologe (MSc), Gesundheitswissenschaftler (MPH), Diplom-Kaufmann (FH)
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