Die Achillessehne arbeitet bei fast jedem Schritt. Beim Gehen überträgt sie Kräfte zwischen Wadenmuskulatur und Fuß. Beim Laufen, Springen und schnellen Abbremsen wird sie zu einer kräftigen Feder: Sie nimmt Energie auf und gibt einen Teil davon wieder ab.
Macht sich der Bereich oberhalb der Ferse bemerkbar, entsteht häufig ein Dilemma. Einerseits möchte man die Sehne nicht zusätzlich beanspruchen. Andererseits lässt sich ihre Belastbarkeit ohne passende Trainingsreize kaum aufbauen.
Die Lösung liegt selten in einer einzelnen vermeintlich perfekten Übung. Entscheidend ist die Abfolge: Zunächst müssen Belastungen kontrollierbar werden. Danach lassen sich Kraft, Bewegungsumfang und Geschwindigkeit schrittweise erweitern. Wer wieder laufen, springen oder einen bewegungsreichen Beruf ausüben möchte, benötigt später andere Trainingsreize als jemand, der vor allem sicher durch den Alltag gehen will.
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Nicht jede Achillessehnenbeschwerde betrifft denselben Abschnitt der Sehne. Ob sich der auffällige Bereich einige Zentimeter oberhalb der Ferse oder direkt am Fersenbein befindet, kann die Auswahl und Ausführung der Übungen verändern.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen zur gesundheitsorientierten Trainingsplanung. Er stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, physiotherapeutische Behandlung oder individuelle Therapie. Neu aufgetretene, starke, anhaltende oder ungeklärte Beschwerden sollten von entsprechend befugtem Fachpersonal eingeordnet werden. Nach Verletzungen, Operationen oder einem Verdacht auf eine Achillessehnenruptur gelten gesonderte medizinische Vorgaben.
Warum die Achillessehne mehr als kräftige Waden braucht
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Zu dieser Muskelgruppe gehören insbesondere der oberflächlich verlaufende Musculus gastrocnemius und der tiefer liegende Musculus soleus.

Beide tragen zur Plantarflexion bei: Der Fuß drückt sich vom Boden ab, als würdest du dich auf die Zehenspitzen stellen. Ihre Belastungsanteile verändern sich mit der Stellung des Kniegelenks. Viele Trainingsprogramme enthalten sowohl Wadenheben mit eher gestrecktem als auch mit gebeugtem Knie.

(Plantarflexion)
Die Aufgabe der Achillessehne geht über eine einfache Kraftübertragung hinaus. Beim Laufen und Springen muss das Muskel-Sehnen-System:
- Kräfte aufnehmen,
- die Bewegung bewusst abbremsen,
- elastische Energie speichern,
- Energie bei der Abdruckbewegung wieder freigeben,
- unterschiedliche Geschwindigkeiten und Bodenkontaktzeiten bewältigen.
Langsames Wadenheben bildet davon nur einen Teil ab. Es schafft eine wichtige Kraftgrundlage. Für einen vollständigen Belastungsaufbau müssen später auch schnelle und reaktive Bewegungen vorbereitet werden.
Die 2024 überarbeitete klinische Leitlinie zur Tendinopathie im mittleren Abschnitt der Achillessehne bewertet progressive Sehnenbelastung als zentralen Bestandteil der fachlichen Versorgung. Gleichzeitig betont sie, dass Auswahl und Dosierung individuell angepasst werden müssen. Die Leitlinie bezieht sich ausdrücklich auf Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt und darf nicht ungeprüft auf Beschwerden direkt am Ansatz übertragen werden (Chimenti et al., 2024).
Mittlerer Sehnenabschnitt oder Ansatz: Warum die Lage eine Rolle spielt
Für die Trainingsplanung ist zunächst wichtig, welcher Bereich durch medizinisches oder therapeutisches Fachpersonal eingeordnet wurde.
Beschwerden im mittleren Abschnitt
Bei einer sogenannten Midportion-Tendinopathie liegt der betroffene Bereich oberhalb des Fersenbeins im freien Verlauf der Sehne.
Wadenheben auf ebenem Boden und später gegebenenfalls über eine Stufenkante lassen sich hier häufig als unterschiedliche Belastungsstufen einsetzen. Ob ein größerer Bewegungsumfang passend ist, hängt von der individuellen Ausgangslage und der fachlichen Einschätzung ab.
Beschwerden direkt am Fersenbein
Bei einer insertionalen Tendinopathie befindet sich der auffällige Bereich am Ansatz der Achillessehne am Fersenbein. In starker Dorsalflexion – wenn sich das Schienbein weit über den Fuß bewegt oder die Ferse tief unter eine Stufenkante sinkt – kann an diesem Bereich zusätzliche Kompression entstehen.

(Dorsalflexion)
Eine 2025 veröffentlichte randomisierte Studie verglich bei fachlich festgestellten insertionalen Beschwerden zwei progressive Programme. In einer Gruppe wurde die Kompression am Sehnenansatz reduziert (Pringels et al., 2025). Dazu gehörten eine Begrenzung der Dorsalflexion bei Übungen, der Verzicht auf intensives Wadendehnen und der zeitweise Einsatz von Fersenerhöhungen. Dieses Vorgehen erzielte im untersuchten Kollektiv günstigere patientenberichtete Ergebnisse als das Programm mit höherer Kompression.
Für die Übungspraxis ergibt sich daraus ein wichtiger Unterschied:
| Fachlich eingeordneter Bereich | Möglicher Einstieg | Bewegungsumfang |
| mittlerer Sehnenabschnitt | Wadenheben vom Boden | später gegebenenfalls über eine Stufe erweiterbar |
| Ansatz am Fersenbein | Wadenheben auf ebenem Boden | zunächst häufig ohne tiefes Absenken unter die Neutralstellung |
| ungeklärte Beschwerden | keine eigenständige Zuordnung | erst fachlich abklären lassen |
Die Tabelle ist keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Sie zeigt, weshalb ein identisches Übungsprogramm für jede Person fachlich nicht überzeugt.
Was tun bei Achillessehnenbeschwerden?
Wer nach „Was tun bei Achillessehnenbeschwerden?“ sucht, findet häufig zwei gegensätzliche Empfehlungen: komplett schonen oder jeden Tag sehr umfangreich exzentrisch trainieren.
Beide Pauschallösungen greifen zu kurz.
Vor der Übungsauswahl sollten vier Fragen geklärt werden:
- Wurde der Bereich medizinisch oder therapeutisch eingeordnet?
- Welche Alltags- und Trainingsbelastungen sind aktuell freigegeben?
- Welche Bewegungen lassen sich kontrolliert ausführen?
- Zu welchen Anforderungen soll die Person zurückkehren?
Eine Person, die überwiegend spazieren geht, benötigt einen anderen Trainingsaufbau als ein Läufer mit fünf Einheiten pro Woche. Volleyball, Tennis, Fußball und Basketball stellen wiederum hohe Anforderungen an Abdruck, Landung und Richtungswechsel.
Auch die bisherige Belastungsgeschichte zählt. Eine deutliche Veränderung kann beispielsweise entstehen durch:
- einen schnellen Anstieg der Laufkilometer
- mehr Bergläufe
- zusätzliche Sprints
- eine neue Sprungsportart
- den Wiedereinstieg nach einer Pause
- mehrere intensive Trainingstage hintereinander
- mehr stehende oder gehende Arbeit
- einen Wechsel von Untergrund oder Schuhwerk
Diese Faktoren helfen dabei, die aktuelle Gesamtbeanspruchung zu verstehen, ohne dass sie eine konkrete Ursache ausmachen.
Wie sich Belastung, Erholung und Trainingsreaktionen systematisch einordnen lassen, erklärt unser Grundlagenbeitrag zur Sehnenbeschwerden im Training.
Übungen für die Achillessehne: vier Stufen des Belastungsaufbaus
Die folgenden Stufen stellen keinen allgemeingültigen Behandlungsplan dar. Sie zeigen, wie Übungen nach ihrem mechanischen Anspruch geordnet werden können, wenn aktives Training fachlich vorgesehen ist.
Die Übergänge richten sich nicht ausschließlich nach einer bestimmten Anzahl an Trainingswochen. Relevanter sind die Bewegungskontrolle, die mögliche Kraftentwicklung, die Reaktion auf vorangegangene Einheiten und das persönliche Aktivitätsziel.
Stufe 1: Belastung in einer festen Position erzeugen
Isometrische Übungen erzeugen Muskelkraft, während sich das Gelenk kaum bewegt. Sie können hilfreich sein, wenn dynamisches Wadenheben zunächst schwer zu steuern ist oder eine klar definierte Gelenkposition benötigt wird.
Isometrie sollte nicht mit einer garantierten unmittelbaren Wirkung auf Schmerzen beworben werden. In einer quasi-randomisierten Studie führte die untersuchte isometrische Plantarflexion bei Personen mit chronischer Midportion-Tendinopathie nicht zu einer überlegenen unmittelbaren Veränderung der Schmerzwahrnehmung (van der Vlist et al., 2020). Isometrische Übungen bleiben eine gut dosierbare Trainingsform, haben aber keine verlässliche unmittelbare Wirkung auf die Schmerzwahrnehmung.
Trainingsziel:
Statische Kraftentwicklung der Wadenmuskulatur in einer kontrollierten Position.
Ausführung:
- Stelle dich hüftbreit auf den Boden.
- Nutze bei Bedarf eine Wand oder eine stabile Stütze.
- Hebe beide Fersen bewusst langsam an.
- Halte die Position, ohne nach außen oder innen wegzukippen.
- Senke die Fersen anschließend langsam ab.
Die Höhe sollte so gewählt werden, dass Fuß und Sprunggelenk stabil geführt werden können. Ein maximales Hochdrücken ist nicht zwingend erforderlich.
Mögliche Regressionen:
- geringere Hubhöhe,
- kürzere Haltezeit,
- stärkere Unterstützung mit den Händen,
- gleichmäßige Belastung beider Beine.
Mögliche Progressionen:
- längere Haltezeit,
- Zusatzgewicht,
- stärkere Lastverteilung auf ein Bein,
- einbeinige Ausführung.
Als Trainingsbeispiel können mehrere Haltephasen von 20 bis 45 Sekunden dienen. Dauer und Intensität werden an die individuelle Situation angepasst.
Trainingsziel:
Belastung der Wadenmuskulatur bei gebeugtem Knie.
Ausführung:
- Setze dich auf eine stabile Bank oder einen Stuhl.
- Stelle den Vorfuß vollständig auf den Boden.
- Hebe die Ferse an.
- Halte die Position unter gleichmäßiger Spannung.
- Lege bei passender Belastbarkeit ein Gewicht oberhalb des Knies ab.
Eine Polsterung zwischen Oberschenkel und Gewicht erhöht den Komfort. Das Gewicht darf nicht auf der Kniescheibe liegen.
Die sitzende Variante reduziert die Anforderungen an Gleichgewicht und Rumpfkontrolle. Dadurch lässt sich die äußere Last oft genauer dosieren.
Trainingsziel:
Gut steuerbare Belastung ohne hohe Gleichgewichtsanforderung.
Ausführung:
- Positioniere die Vorfüße sicher auf der Plattform.
- Halte Knie und Hüfte in der vorgesehenen Stellung.
- Drücke die Plattform über den Vorfuß weg.
- Halte das Sprunggelenk in einer stabilen Position.
- Löse die Spannung ohne ruckartige Bewegung.
Bei Beschwerden am Sehnenansatz sollte die Ferse nicht eigenständig tief unter die Plattform abgesenkt werden. Bewegungsumfang und Geräteeinstellung gehören in eine fachlich abgestimmte Planung.
Stufe 2: Langsames Wadenheben aufbauen
Sobald Bewegung unter Last möglich und vorgesehen ist, folgen langsame dynamische Übungen. Hierbei wird die Ferse angehoben und wieder abgesenkt.
Die Wadenmuskulatur arbeitet sowohl konzentrisch beim Hochdrücken als auch exzentrisch beim Absenken. Eine künstliche Trennung beider Phasen ist nicht in jedem Programm notwendig.
Trainingsziel:
Grundlegende dynamische Wadenkraft.
Ausführung:
- Stelle beide Füße parallel oder in einer individuell passenden Position auf.
- Verlagere das Gewicht gleichmäßig auf Vorfuß und Großzehenballen.
- Hebe die Fersen sauber dosiert an.
- Halte die obere Position kurz.
- Senke die Fersen langsam bis zum Boden.
Achte darauf, dass die Sprunggelenke nicht unkontrolliert nach außen kippen. Die Fersen dürfen sich im Rahmen der natürlichen Bewegung leicht annähern oder entfernen. Eine starre Schienenposition ist nicht notwendig.
Progressionsmöglichkeiten:
- Größere Zusatzlast
- Langsameres Bewegungstempo
- Zusätzliche Wiederholungen
- Stärkere Lastverlagerung auf eine Seite
Trainingsziel:
Höhere relative Belastung einer Seite.
Ausführung:
- Stelle dich auf ein Bein und sichere dich leicht ab.
- Halte Knie und Fuß stabil.
- Hebe die Ferse so weit an, wie die Bewegung stabil bleibt.
- Senke sie langsam bis zum Boden.
- Vermeide, dich hauptsächlich mit den Armen hochzuziehen.
Der Wechsel von zwei Beinen auf ein Bein ist ein deutlicher Belastungssprung. Die Übung kann zunächst mit stärkerer Handunterstützung oder einer Teilbelastung des anderen Fußes vorbereitet werden.
Trainingsziel:
Dynamische Wadenkraft bei gebeugtem Knie.
Ausführung:
- Sitze aufrecht und stelle die Vorfüße auf den Boden oder eine flache Erhöhung.
- Platziere die Last gepolstert oberhalb der Knie.
- Hebe die Fersen langsam an.
- Senke sie kontrolliert wieder ab.
- Halte den Vorfuß während der gesamten Wiederholung stabil.
Das sitzende Wadenheben ergänzt Varianten mit gestreckterem Knie. Die beiden Übungen decken gemeinsam die unterschiedlichen Anforderungen des Wadenkomplexes ab.
Wie langsam sollte Wadenheben ausgeführt werden?
Ein langsames Tempo erleichtert es, Last und Bewegungsqualität zu kontrollieren. Als methodisches Beispiel kann eine Wiederholung folgendermaßen aufgebaut sein:
- Zwei bis drei Sekunden anheben
- Kurze bewusste Pause
- Drei bis vier Sekunden absenken
Diese Zeitvorgaben enthalten kein Wirkversprechen und stellen keine zwingende biologische Schwelle dar. Sie schaffen zunächst einen gut beobachtbaren Bewegungsrahmen.
Mit zunehmender Belastbarkeit darf das Training nicht für immer langsam bleiben. Wer zu Laufen, Sprüngen oder schnellen Richtungswechseln zurückkehren möchte, muss später auch kürzere Kraftentwicklungszeiten vorbereiten.
Stufe 3: Höhere Lasten und größere Bewegungsumfänge
Wenn beid- und einbeinige Übungen vom Boden technisch sicher ausgeführt werden, können Widerstand und Bewegungsumfang verändert werden.
Zusatzgewicht kann über Kurzhanteln, eine Multipresse, eine Wadenmaschine oder die Beinpresse eingebracht werden.
Maschinen bieten einen stabilen Rahmen. Freie Gewichte stellen höhere Anforderungen an Gleichgewicht und Ganzkörperkontrolle. Keine Variante ist grundsätzlich hochwertiger. Entscheidend ist, welche Aufgabe zur Person und zum Trainingsziel passt.
Eine 2015 veröffentlichte randomisierte Studie verglich bei fachlich festgestellter Midportion-Tendinopathie ein klassisches exzentrisches Programm mit Heavy Slow Resistance (Beyer et al., 2015). Beide Gruppen absolvierten zwölf Wochen Training. Bei den untersuchten klinischen Ergebnissen zeigte sich keine klare langfristige Überlegenheit einer der beiden Methoden. Die Studie unterstützt damit eine breitere Auswahl belastungsorientierter Trainingsformen.
Diese Variante erweitert den Bewegungsumfang, weil die Ferse unter das Niveau des Vorfußes abgesenkt werden kann.
Wichtig: Sie ist nicht für jede Achillessehnenproblematik gleichermaßen passend.
Bei Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt kann ein größerer Bewegungsumfang später in Betracht kommen. Bei insertionalen Beschwerden am Fersenbein wird die starke Dorsalflexion zu Beginn häufig begrenzt, um die Kompression am Ansatz nicht unnötig zu erhöhen.
Ausführung bei entsprechender fachlicher Freigabe:
- Stelle den Vorfuß sicher auf die Stufe.
- Halte dich leicht fest.
- Hebe die Ferse kontrolliert an.
- Senke sie nur so weit ab, wie es für die konkrete Trainingsplanung vorgesehen ist.
- Vermeide ein schnelles Durchfallen in die untere Position.
Die Tiefe ist eine Belastungsvariable. Sie wird aufgebaut und nicht als starres Technikmerkmal vorausgesetzt.
Stufe 4: Schnelle Kraft und elastische Belastungen vorbereiten
Langsames Krafttraining schafft eine Basis. Laufen und Springen verlangen aber, dass Kräfte in sehr kurzer Zeit aufgenommen und abgegeben werden.
Es handelt sich hierbei um schnelle elastische Belastungen, bei denen das Muskel-Sehnen-System Energie aufnimmt und wieder abgibt. Sie ist besonders relevant für Sportarten mit:
- Wiederholten Sprüngen
- Kurzen Bodenkontaktzeiten
- Schnellen Antritten
- Abruptem Abbremsen
- Richtungswechseln
- Laufbelastungen mit wechselndem Tempo
Langsame Wadenübungen sollten zunächst mit ausreichender Kontrolle und passender äußerer Last durchgeführt werden können, bevor der Einstieg in schnellere Belastungsformen erfolgt.
Pogos sind kleine rhythmische Sprünge, bei denen der Abdruck vor allem über den Fuß und das Sprunggelenk erfolgt.
Einstieg:
- Stelle dich aufrecht hin.
- Springe nur wenige Zentimeter vom Boden ab.
- Halte die Knie leicht gebeugt.
- Nutze kurze, kontrollierte Bodenkontakte.
- Beginne mit kleinen Serien und vollständigen Pausen.
Die Sprunghöhe ist zunächst weniger wichtig als Rhythmus und Kontrolle.
Progressionsmöglichkeiten:
- mehr Kontakte pro Serie,
- höhere Sprünge,
- schnellere Kontakte,
- Vorwärtsbewegung,
- einbeinige Varianten.
Ein einbeiniger Pogo ist keine kleine Variation. Er verändert die relative Belastung erheblich und sollte als eigene Progressionsstufe betrachtet werden.
Seilspringen verbindet wiederholte Bodenkontakte mit einem gleichmäßigen Rhythmus. Die Belastung lässt sich über Dauer, Sprunghöhe, Geschwindigkeit und Technik verändern.
Ein sinnvoller Einstieg kann aus kurzen Intervallen bestehen, zwischen denen ausreichend Pause liegt. Die Gesamtkontaktzahl sollte dokumentiert werden. Eine Minute Seilspringen kann wesentlich mehr Belastungswiederholungen enthalten als eine klassische Kraftübung.
- Springe mit geringer Höhe ab.
- Lande sicher auf beiden Füßen.
- Stabilisiere die Position.
- Beginne erst danach mit der nächsten Wiederholung.
Die kurze Pause zwischen den Sprüngen reduziert zunächst die reaktive Komponente. Später können fortlaufende Sprünge, einbeinige Landungen oder Richtungswechsel hinzukommen.
Muss Wadenheben rein exzentrisch ausgeführt werden?
Nein. Exzentrisches Training ist gut untersucht und besitzt einen festen Platz im Achillessehnentraining. Es ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, einen mechanischen Reiz zu setzen.
Beim klassischen Alfredson-Protokoll wird die Ferse mit beiden Beinen angehoben und überwiegend über die betroffene Seite abgesenkt. Das ursprüngliche Programm umfasst ein hohes tägliches Volumen über zwölf Wochen.
Diese Methode sollte nicht als universeller Standard verstanden werden. Das Protokoll wurde für eine bestimmte Population und ein bestimmtes Beschwerdebild entwickelt. Trainingsvolumen, Bewegungsumfang und Schmerzakzeptanz lassen sich nicht ohne fachliche Prüfung auf jede Person übertragen.
Ein Versuch aus dem Jahr 2022 verglich ein hochintensives Belastungsprogramm, das klassische Alfredson-Training und eine passive Vergleichsintervention (Radovanović et al., 2022). Nur das High-Load-Programm führte im untersuchten Zeitraum zu statistisch signifikanten Veränderungen bestimmter mechanischer und morphologischer Sehneneigenschaften. Bei den patientenberichteten klinischen Ergebnissen zeigte sich allerdings keine eindeutige Überlegenheit. Zudem wurden ausschließlich Männer untersucht, und Midportion- sowie insertionale Beschwerden wurden gemeinsam ausgewertet. Die Ergebnisse sind daher interessant, aber nicht grenzenlos übertragbar.
Für die Praxis lautet die sinnvollere Frage: „Welche Belastungsform lässt sich ausreichend intensiv, regelmäßig, kontrolliert und passend zum Ziel durchführen?“
Wie schwer sollte das Training sein?
Die aktuelle Leitlinie zur fachlichen Versorgung einer Midportion-Tendinopathie empfiehlt Sehnenbelastungen mit einer möglichst hohen individuell tolerierbaren Last (Chimenti et al., 2024). Sie nennt mindestens drei Einheiten pro Woche, sofern ein entsprechendes Programm medizinisch oder therapeutisch vorgesehen wurde. Diese Empfehlung gilt nicht uneingeschränkt für jede ungeklärte Achillessehnenbeschwerde und ersetzt keine individuelle Planung.
Für gesundheitsorientiertes Training lassen sich unterschiedliche Wiederholungsbereiche nutzen:
- Höhere Wiederholungszahlen bei moderater Last
- Mittlere Wiederholungszahlen bei steigender Last
- Niedrigere Wiederholungszahlen bei hoher Kraftanforderung
- Längere Haltezeiten bei isometrischen Varianten
Wichtiger als eine magische Wiederholungszahl ist die nachvollziehbare Progression.
Mögliche Steigerungen sind:
- Mehr äußeres Gewicht
- Wechsel von beidbeinig zu einbeinig
- Größerer Bewegungsumfang
- Langsamere oder später schnellere Ausführung
- Zusätzliche Sätze
- Kürzere Unterstützung
- Höhere Anforderungen an Gleichgewicht und Koordination
Nicht alle Variablen sollten gleichzeitig erhöht werden. Steigen Gewicht, Bewegungsumfang, Laufvolumen und Sprungzahl in derselben Woche, lässt sich kaum noch beurteilen, welche Veränderung zu welcher Reaktion geführt hat.
Darf man mit Achillessehnenbeschwerden weiterlaufen?
Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Die Entscheidung hängt von der fachlichen Einordnung von Ärzten oder Therapeuten, der aktuellen Belastbarkeit, dem Laufumfang und der Reaktion auf vorangegangene Einheiten ab.
Vollständige Ruhe ist bei fachlich festgestellter, nicht akuter Midportion-Tendinopathie nicht grundlegend erforderlich. Eine randomisierte Studie mit 38 Teilnehmenden zeigte, dass die kontrollierte Fortführung lauf- und sprungbezogener Aktivitäten innerhalb eines strukturierten Schmerzmonitorings gegenüber einer sechswöchigen Pause von diesen Aktivitäten keine nachteiligen Ergebnisse verursachte. Beide Gruppen absolvierten parallel dasselbe progressive Belastungsprogramm (Silbernagel et al., 2007). Die kleine Stichprobe und der betreute Studienrahmen erlauben jedoch keine pauschale Freigabe für jede Person.
Für einen fachlich gesteuerten Laufaufbau können folgende Variablen getrennt betrachtet werden:
- Laufdauer
- Distanz
- Geschwindigkeit
- Steigung
- Untergrund
- Intervalllänge
- Zahl der Lauftage
- Abstand zu schweren Waden- oder Sprungeinheiten
Ein lockerer kurzer Lauf auf ebenem Untergrund stellt eine andere Aufgabe dar als Bergintervalle, Tempoläufe oder Sprints.
Wer mehrere Variablen gleichzeitig steigert, verliert den Überblick. Eine klare Wochenplanung ist ebenso wichtig wie die Übungsauswahl.

Du möchtest mehr zum Thema Achillessehnenbeschwerden wissen?
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Wie lässt sich die Belastungsreaktion beobachten?
Ein einzelner Schmerzwert während einer Übung beschreibt die Situation nur unvollständig. Für die Trainingssteuerung sind mehrere Zeitpunkte relevant:
- Vor dem Training
- Während der Übung
- Unmittelbar danach
- Einige Stunden später
- Am folgenden Morgen
- Bei der nächsten geplanten Einheit
Dokumentiert werden können außerdem:
- Bewegungsqualität
- Wiederholungszahl
- Äußeres Gewicht
- Bewegungsumfang
- Tempo
- Sprungkontakte
- Laufkilometer
- Subjektive Anstrengung
- Sicherheit bei der Ausführung
Entsteht eine deutlich stärkere oder länger anhaltende Reaktion als in den vorangegangenen Einheiten, sollten Belastungsumfang und Progression fachlich überprüft werden. Eine Veränderung ist kein Beweis für eine neue Gewebeschädigung. Sie zeigt, dass der aktuelle Trainingsreiz erneut eingeordnet werden sollte.
Welche Rolle spielt die Fußmuskulatur?
Der Fuß bildet den Kontakt zum Boden. Seine Position und Beweglichkeit beeinflussen, wie Kräfte beim Gehen, Laufen und Springen aufgenommen werden.
Daraus sollte nicht geschlossen werden, dass eine bestimmte Fußform zu Achillessehnenbeschwerden führt. Auch eine beobachtete Pronation ist nicht grundsätzlich ein Fehler. Pronation gehört zur natürlichen Anpassung des Fußes an den Boden.
Fußbezogene Übungen können den Trainingsaufbau ergänzen, beispielsweise:
- Verlagern zwischen Innen- und Außenkante mit klarer Bewegungskontrolle
- Aktiver Kontakt von Ferse, Großzehen- und Kleinzehenballen
- Greifaufgaben mit den Zehen
- Einbeinige Standvarianten
- Step-ups mit bewusster Fußbelastung
- Einbeiniges Kreuzheben mit unterschiedlichen Lastpositionen
Der Schwerpunkt bleibt dennoch die Kraft- und Belastungsentwicklung des gesamten Muskel-Sehnen-Systems. Fußübungen ersetzen kein progressives Wadenheben und keine Vorbereitung auf Lauf- oder Sprungbelastungen.
Unser Video greift diese Verbindung auf: Es erläutert isometrische und exzentrisch betonte Trainingsformen und zeigt anschließend praktische Varianten der Fußarbeit.
Häufige Fehler beim Training der Achillessehne
Wer diese typischen Fehler kennt, kann Belastung oft klarer planen und Veränderungen im Training besser einordnen.
Ein tiefes Absenken der Ferse kann in einem Programm für den mittleren Sehnenabschnitt vorgesehen sein. Bei Beschwerden am Ansatz kann dieselbe Position andere mechanische Bedingungen erzeugen. Die Lage des fachlich eingeordneten Bereichs muss vor der Trainingsplanung bekannt sein.
Das Alfredson-Protokoll ist historisch bedeutsam und gut dokumentiert. Moderne Trainingsplanung umfasst auch konzentrisch-exzentrisches Wadenheben, Heavy Slow Resistance, isometrische Belastungen und später dynamische Aufgaben.
Mehr Auswahl bedeutet nicht Beliebigkeit. Jede Methode braucht eine klare Funktion.
Ein größerer Bewegungsumfang ist eine Progression, kein universelles Qualitätsmerkmal. Besonders am Sehnenansatz kann eine Begrenzung der Dorsalflexion fachlich begründet sein.
Laufen und Gehen verlangen Kraft in unterschiedlichen Kniepositionen. Sitzende oder anderweitig kniegebeugte Varianten ergänzen das klassische Wadenheben.
Eine schwere Wadeneinheit, ein Tempolauf und ein Sprungtraining beanspruchen dasselbe Muskel-Sehnen-System auf unterschiedliche Weise. Für die Wochenplanung müssen diese Belastungen gemeinsam betrachtet werden.
Eine schwere Wadeneinheit, ein Tempolauf und ein Sprungtraining beanspruchen dasselbe Muskel-Sehnen-System auf unterschiedliche Weise. Für die Wochenplanung müssen diese Belastungen gemeinsam betrachtet werden.
Langsame Wiederholungen sind gut kontrollierbar. Sie bereiten aber nicht vollständig auf kurze Bodenkontakte, Sprints oder wiederholte Sprünge vor.
Zusatzgewicht, einbeinige Kraft, Wiederholungskontrolle, Sprungkontakte und Laufumfang liefern weitere Informationen. Fortschritt ist mehrdimensional.
Video: Training bei Sehnenbeschwerden anschaulich erklärt
Unser Video zeigt, wie isometrische und exzentrisch betonte Belastungen eingeordnet werden können. Zudem erfährst du, weshalb die Fußarbeit bei Trainingsaufgaben für die untere Extremität mitgedacht werden sollte.
Mehr zu einem kniespezifischen Belastungsaufbau findest du ergänzend im Beitrag Übungen bei Patellaspitzensyndrom.
Einzelne Übungen anleiten oder den gesamten Prozess verstehen?
Wadenheben lässt sich in wenigen Minuten erklären. Einen verantwortungsvollen Belastungsaufbau zu planen, verlangt deutlich mehr.
Trainer:innen müssen unter anderem entscheiden:
- Welche Übungsposition zur fachlich geklärten Ausgangslage passt
- Wie sich Belastung messbar dosieren lässt
- Wann der Bewegungsumfang erweitert werden kann
- Wann einbeinige und schnelle Aufgaben hinzukommen
- Wie Lauf-, Sprung- und Krafttraining aufeinander abgestimmt werden
- Welche Reaktionen dokumentiert werden
- Wann Rücksprache mit medizinischem oder therapeutischem Fachpersonal notwendig ist
Wadenheben ist nicht gleich Wadenheben: Gelenkposition, Bewegungsumfang, Last und Geschwindigkeit verändern die Aufgabe deutlich. Die Ausbildung zum Reha Coach vermittelt dir das trainingswissenschaftliche Fundament, um solche Unterschiede verantwortungsvoll in die Planung einzubeziehen. Interne Verlinkung: Ausbildung zum Reha Coach
Fazit: Die Achillessehne braucht einen nachvollziehbaren Belastungsaufbau
Übungen bei Achillessehnenbeschwerden sollten systematisch in einen Trainingsprozess überführt werden.
Isometrische Varianten ermöglichen einen klar definierten Einstieg. Langsames Wadenheben entwickelt Kraft über Bewegung. Sitzende und stehende Übungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Höhere Zusatzlasten und größere Bewegungsumfänge erweitern die Anforderungen. Pogos, Sprünge und ein schrittweiser Laufaufbau bereiten später schnelle Belastungen vor.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem mittleren Sehnenabschnitt und dem Ansatz am Fersenbein. Eine tiefe Fersenposition, die in einem Kontext als Progression eingesetzt wird, kann in einem anderen zunächst bewusst vermieden werden.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Belastung ist fachlich geklärt, aktuell kontrollierbar und für das persönliche Bewegungsziel als nächster Schritt sinnvoll?
Häufige Fragen zu Übungen bei Achillessehnenbeschwerden
Nach fachlicher Einordnung kann beidbeiniges isometrisches oder langsames Wadenheben auf ebenem Boden einen gut steuerbaren Einstieg bilden. Die Übung lässt sich über Handunterstützung, Bewegungshöhe, Haltezeit und Zusatzgewicht anpassen.
Nicht grundsätzlich. Bei fachlich bestätigten Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt kann ein größerer Bewegungsumfang später eingeplant werden. Bei insertionalen Beschwerden direkt am Fersenbein wird eine starke Dorsalflexion zu Beginn häufig begrenzt.
Die Forschung zeigt keine eindeutige allgemeine Überlegenheit rein exzentrischer Programme. Auch Heavy Slow Resistance sowie kombinierte konzentrisch-exzentrische Belastungen werden eingesetzt. Entscheidend sind eine ausreichende Last, regelmäßiges Training, passende Progression und individuelle Durchführbarkeit.
Nein. Die passende Frequenz hängt von Intensität, Gesamtvolumen und zusätzlicher Alltags- oder Sportbelastung ab. Die Leitlinie zur Midportion-Tendinopathie nennt mindestens drei belastungsorientierte Einheiten pro Woche, wenn ein solches Programm fachlich vorgesehen ist. Dies ist keine pauschale Empfehlung für ungeklärte Beschwerden.
Beide Varianten können Teil eines umfassenden Trainings sein. Die Knieposition verändert die Anforderungen innerhalb des Wadenkomplexes. Stehendes und sitzendes Wadenheben ergänzen sich daher.
Sprungübungen kommen infrage, wenn langsamere Kraftübungen stabil ausgeführt werden, die bisherige Trainingsbelastung angemessen verarbeitet wird und schnelle Abdruck- oder Landebewegungen zum Aktivitätsziel gehören. Der Einstieg erfolgt über kleine, überschaubare Kontaktzahlen.
Das muss individuell und fachlich entschieden werden. Eine kleine randomisierte Studie zeigte, dass kontrolliert fortgesetzte Lauf- und Sprungaktivitäten innerhalb eines überwachten Belastungsmodells nicht grundsätzlich nachteilig waren. Daraus lässt sich allerdings keine allgemeine „Lauferlaubnis“ ableiten.
Trainer:innen stellen keine Diagnosen und führen keine Heilbehandlung durch. Nach medizinischer oder therapeutischer Einordnung und innerhalb der eigenen Qualifikation können entsprechend geschulte Trainer:innen gesundheitsorientierte Kraft- und Belastungsaufbauten begleiten. Bei unklaren Entwicklungen oder Veränderungen ist erneut befugtes Fachpersonal einzubeziehen.
Rechtlicher Hinweis
Unsere Aus- und Fortbildungen vermitteln Wissen und Kompetenzen in den Bereichen Prävention, Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung. Sie berechtigen nicht automatisch zur Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten. Heilbehandlungen, Diagnosen und Therapien dürfen nur von entsprechend ausgebildetem und befugtem Fachpersonal durchgeführt werden. Weitere Hinweise findest Du im § 5 unserer AGBs (B2C)
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