Krankschreibung und Commitment: Gibt es einen Zusammenhang?

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Wie Koennen Unternehmen Die Allgemeine Leistungsbereitschaft Foerdern

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Zahlen lügen nicht

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Krankschreibungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig berichten Unternehmen von sinkendem Commitment ihrer Mitarbeitenden. Als Führungskraft oder Arbeitgeber stellst Du Dir vielleicht die Frage, ob diese beiden Entwicklungen zusammenhängen. Gibt es einen messbaren Zusammenhang zwischen der emotionalen Bindung ans Unternehmen und den Fehlzeiten? Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Forschungsergebnisse und zeigt Dir, wie Du als Führungskraft professionell mit dieser Herausforderung umgehen kannst.

Warum die Frage nach dem Zusammenhang relevant ist

Der Krankenstand in Deutschland erreichte 2025 mit durchschnittlich 19,5 Fehltagen pro Arbeitnehmer einen sehr hohen Stand (iges, 2026). Das sind 14,5 Arbeitstage also fast 3 Wochen Arbeitsausfall je Mitarbeitenden im Durchschnitt. Täglich fehlen den deutschen UNternehmen 5,4% der Beschäftigten karnkheitsbedingt.

Diese Entwicklung belastet nicht nur die Produktivität, sondern auch die Arbeitsatmosphäre in Teams. Wenn Kolleginnen und Kollegen häufiger ausfallen, steigt die Belastung für die Anwesenden. Ein Teufelskreis entsteht.

Stell Dir vor, Du leitest ein Team von zehn Personen. Zwei sind regelmäßig krankgeschrieben, die übrigen acht müssen die Arbeitslast kompensieren. Die Stimmung kippt, Überstunden häufen sich, und irgendwann fragen sich auch die Engagierten: Warum eigentlich? Genau hier wird deutlich, warum die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Commitment und Fehlzeiten so wichtig ist. Es geht nicht um Misstrauen, sondern um das Verständnis systemischer Dynamiken.

Die Motivation Deiner Mitarbeitenden ist kein abstraktes Konzept. Sie zeigt sich in konkretem Verhalten: in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, in der Identifikation mit Unternehmenszielen und eben auch in der Anwesenheit. Wenn diese emotionale Bindung schwindet, verändert sich das gesamte Arbeitsklima.

Der Zusammenhang zwischen Commitment und Krankschreibung

Die Forschung bestätigt, was viele Führungskräfte bereits vermuten: Es gibt einen messbaren Zusammenhang zwischen emotionaler Bindung und Fehlzeiten. Eine Langzeitstudie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK aus 2024 zeigte, dass Mitarbeitende mit geringem Commitment durchschnittlich 4,8 Tage mehr pro Jahr krankgeschrieben sind als jene mit hoher Bindung ans Unternehmen (Badura et al., 2024).

Besonders aufschlussreich sind die Erkenntnisse zur sogenannten „motivationalen Fehlzeit”. Dabei handelt es sich um Krankschreibungen, die zwar formal korrekt sind, aber primär durch mangelnde Arbeitszufriedenheit ausgelöst werden. Das Gallup Engagement Index 2025 dokumentierte, dass 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Genau diese Gruppe weist signifikant höhere Fehlzeiten auf.

Wichtig ist die Differenzierung: Nicht jede Krankschreibung ist Ausdruck mangelnden Commitments. Echte Erkrankungen, chronische Leiden und psychische Belastungen sind real und müssen ernst genommen werden. Doch die Daten zeigen auch, dass die subjektive Wahrnehmung von Beschwerden durch die Arbeitszufriedenheit beeinflusst wird. Wer sich wertgeschätzt und eingebunden fühlt, geht tendenziell auch mit leichten Beschwerden zur Arbeit. Wer innerlich bereits gekündigt hat, nutzt jede Gelegenheit zur Auszeit.

Die Herausforderung für Dich als Führungskraft besteht darin, diese Zusammenhänge zu erkennen, ohne in pauschale Verdächtigungen zu verfallen. Es geht um systemisches Verständnis, nicht um individuelle Schuldzuweisungen.

Gibt es wissenschaftlich Belege dafür, dass die Zahl der emotional gebunden Mitarbeitenden deswegen fällt, weil der durchschnittliche Krankenstand der nichtgebundenen Mitarbeitenden steigt?

Es gibt viele Studien, die sich mit dieser Frage auseinander setzen. Ein sehr interessanter Fakt ist ein Blick in die Statistik: Von 2021 zu 2022 gab es in Deutschlad einen sehr großen Unterschied sowohl bei den Krankenstandszahlen als auch beim Commitment.

Die Gruppe der hoch emotional gebunden Mitarbeitenden (die Leistungsträger) sank von 2021: 17% auf 2025: 10%. Das ist ein massiver Zusammenbruch!

Die Zahl der nicht emotional gebundenen Mitarbeitenden ist von 2021 (14%) zu 2025 (13%) vergleichbar geblieben.

Allerdings sind die Krankenstände im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr massiv angestiegen und bleiben seitdem auf hohen Niveau.

Laut statistischen Bundesamt wird der Anstieg der Krankenstände mit der Einführung der telefonischen Krankmeldung begründet (Statistisches Bundesamt, 2026). Es wurde also auch denjenigen, die nicht zur Arbeit gehen wollen, deutlich einfacher gemacht.

Wenn ich nun die Statistiken unserer Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastung sowie der quantifizierbaren Aussagen aus Feedback-Workshops mit Beschäftigten aus den letzten Jahren dazu nehme (da sind über 30.000 Datensätze), dann zeichnet sich ein sehr klares Bild ab: der Umgang mit Krankschreibungen ist eines der TOP-Themen in nahezu allen Organisationen.

Die Hochengagierten leiden mehr als früher unter den nicht oder gering emotional gebundenen Kolleg:innen, denn die reichen vermehrt Krankschreibungen ein. Das führt zum innerbetrieblichen Konflikt, denn die Hochengagierten müssen deren Arbeit mitmachen.

Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich ackere mich Tag für Tag ab und andere bleiben beim ersten Nasenzucken 2 Wochen zu Hause und genießen die Sonne. Ich habe mich entschieden der Pflegbranche den Rücken zu kehren. Fleißige Hände werden auch woanders gebraucht. (Originalzitat Pflegefachkraft, seit 32 Jahren dabei)

Das Problem: es gibt eine hohe Stigmatisierung für all jene, die diesen Fakt ansprechen. Betriebsräte laufen Sturm, Anwälte werden bemüht. Selbst in der Politik wird dieser Diskurs auf allerhöchster Ebene geführt.

Was Du als Führungskraft konkret tun kannst

Wenn Du den Verdacht hast, dass Fehlzeiten mit sinkendem Commitment zusammenhängen, sind folgende Schritte hilfreich:

• Führe regelmäßige Rückkehrgespräche: Nutze die Rückkehr nach Krankheit nicht für Kontrolle, sondern für echtes Interesse. Frage nach dem Befinden, nach möglichen Belastungen am Arbeitsplatz und nach Unterstützungsbedarf. Diese Gespräche signalisieren Wertschätzung und ermöglichen Dir, Muster zu erkennen.

• Analysiere Fehlzeiten-Muster systematisch: Schaue Dir an, wann und wie Fehlzeiten auftreten. Häufen sich Krankmeldungen vor oder nach Kritikgesprächen? Gibt es Abteilungen mit auffällig hohen Fehlzeiten? Solche Muster können auf strukturelle Probleme hinweisen, etwa auf Überlastung, schlechtes Arbeitsklima oder mangelnde Führungsqualität.

• Investiere in Bindung und Sinnerleben: Commitment entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Rahmenbedingungen. Schaffe Transparenz über Unternehmensziele, beteilige Dein Team an Entscheidungen und anerkenne Leistungen konkret. Mitarbeitende, die den Sinn ihrer Arbeit erleben, sind nachweislich seltener krank.

• Biete Weiterentwicklung an: Fortgeschrittene Fähigkeiten und spezialisierte Praktiken stärken nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die Identifikation mit der eigenen Rolle. Aus- und Fortbildungen, etwa zur Fachkraft für psychosoziale Gesundheitsförderung, zeigen Deinen Mitarbeitenden, dass Du in ihre Zukunft investierst.

• Etabliere eine Kultur der Achtsamkeit: Psychische Belastungen sind eine Hauptursache für Fehlzeiten. Programme zu Stressmanagement und Resilienz helfen Deinem Team, mit Herausforderungen konstruktiv umzugehen. Eine Reise mit Selbsterfahrungscharakter kann hier transformative Impulse setzen.

• Entlasse Mitarbeitende die sich nicht binden wollen oder können: Das will kaum einer hören aber am Ende aller Bemühungen ist das ein ganz wichtiger Schritt zum Erhalt von Arbeitsplätzen.

Fazit: Fehlzeiten als Symptom verstehen

Der Zusammenhang zwischen Krankschreibung und Commitment ist wissenschaftlich belegt. Fehlzeiten sind oft ein Symptom für tieferliegende Probleme im Arbeitsumfeld. Als Führungskraft hast Du die Möglichkeit, diese Dynamik zu durchbrechen – nicht durch Kontrolle, sondern durch echte Führung. Investiere in die emotionale Bindung Deiner Mitarbeitenden, schaffe Rahmenbedingungen für Sinnerleben und Entwicklung.

Wenn Du Deine Führungskompetenzen auf eine sehr hohe Stufe von Wissen und Fähigkeiten heben möchtest, bietet die AHAB-Akademie spezialisierte Aus- und Fortbildungen. Von der Fachkraft für psychosoziale Gesundheitsförderung bis zum Berater für organisationale Resilienz – finde den passenden Weg für Deine Entwicklung. Informiere Dich jetzt über unsere Angebote unter AHAB-Corporate Health und starte Deine Reise zu fortgeschrittenen Führungsfähigkeiten.

Quellennachweise

Badura, B., Duck, A., Baumgart, J., & Meyer, & Schröder, H. (Hrsg.) (2024). Fehlzeiten-Report 2024. Bindung und Gesundheit – Fachkräfte gewinnen und halten. Springer

Gallup (2026). Gallup Engagement Index Deutschland 2025. verfügbar unter: https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland.aspx (Zugriff: 19.06.2026)

Statistisches Bundesamt (2026). Krankenstand. verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html (Zugriff: 19.06.2026)

ZDFheute Nachrichten (2026). Merz empört mit Krankenstand-Aussage: Melden wir uns zu oft krank?, verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=we5_c1oizIA